German poem
Grabschrifft eines sehr zahmen und artigen Lach-Täubers
by Hans Assmann von Abschatz (1646–1699)
Hier find ich Ruh und Grab/ ein Phönix meiner Art/ Der Edlen Täuber Ruhm/ nach meiner Todes Fahrt/ Nicht lache dieser Schrifft: Ich konte mich mit lachen (Des Menschen Eigenthum) dir selber ähnlich machen.
Mein treues Artlich-seyn/ mein angenehmer Schertz/ Erwarb des Herren Gunst/ gewann der Franen Hertz. Wird Heucheley und List zu Hofe sonst getrieben/ Ich bin stets ohne Fleck/ wie ohne Galle/ blieben.
Es ehrt mit Schrifft/durch Reim und Grufft um Treu/ und um Verstand Manch Fürst/ manch kluger Mann/ Hund/ Pferd und Elephant: Die Tauben werden nicht von jenen überwunden: Ein kluger 1 Täuber hat die neue Welt erfunden.
Ihr Boten in der Lufft bringts nach Aleppo hin/ Thut Post auff Babylon/ daß ich gestorben bin/ Mahnt alle Kröpffer an/ daß sie zu lezten Ehren Ein trauriges Ragu und Drommeln lassen hören.
Cythere spannt mich nun an ihren Wagen an/ Am Himmel weichet mir der Leda weicher Schwan. Mein wohl-verdienter Ruhm mit Papogeyen-Schwingen Wird den gestirnten Pfau aus seinem Neste dringen.
Sagt ein Pythagoras von unsern Geistern wahr/ So erbt den meinigen ein wohlgeschickter Stahr: Doch soll er hundert Jahr gleich einer Krähe leben/ Und meiner Herrschafft/ an statt mein/ Vergnügen geben.
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