German poem
Laß dir die süssen Schmertzen
by Hans Assmann von Abschatz (1646–1699)
Laß dir die süssen Schmertzen Der Liebe bringen bey. Dir steht von tausend Hertzen Die Wahl zu nehmen frey: Laß dir die süssen Schmertzen Der Liebe bringen bey.
Weil noch die Jahre blühen So hege Lieb und Glutt. Die leichten Stunden fliehen/ Das Alter schwächt den Mutt: Weil noch die Jahre blühen So hege Lieb und Glutt.
Wiltu vor klug bestehen/ So brauche dich der Zeit. Wie bald pflegt zu vergehen Des Lentzens Fröligkeit! Wiltu vor klug bestehen/ So brauche dich der Zeit.
Geniesse deiner Gaben/ Weil sie im Ruffe seyn: Der Rosen Zier will haben/ Daß man sie sammlet ein: Geniesse deiner Gaben/ Weil sie im Ruffe seyn.
Bey vielen Gunst verspühren Ist nicht genung für dich: Zitherens Rechte führen Noch mehre Lust mit sich: Bey vielen Gunst verspühren Ist nicht genung für dich.
Das/ dem man Liebe träget/ Muß weisen gleiche Gunst: Wer selbst nicht Flammen heget/ Hat nichts von fremder Brunst: Das/ dem man Liebe träget/ Muß weisen gleiche Gunst.
Wilt du in Freuden leben/ So liebe/ was dich liebt: Ein Hertz ums andre geben Ists/ was Vergnügen giebt: Wilt du in Freuden leben/ So liebe/ was dich liebt.
More by Hans Assmann von Abschatz
- Läst gleich der höchste Gott die Rache manchmahl schlaffen
- Laß deinen Mund verschlossen seyn
- Laß deinen Sinn das Glücke nicht verdrehn
- Laß dich aus Unbedacht zu keiner Sache treiben
- Laß immerhin die Welt ihr eitles Netze flicken
- Laß mich den Honigseim des süssen Trostes schmecken
- Laß mich des Glaubens Gold der Andacht Weyhrauch bringen
- Laß mich des Glaubens Traub' und guter Wercke Feigen