Versos German Hans Bötticher Ein Traum

German poem

Ein Traum

by (1883–1934)

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Es war nur ein Traum, doch es war eine Pracht! Ich glaubte in mondscheinsilberner Nacht Auf schwellendem Rasen zu liegen. Ein glänzendes Schloß erhob sich kühn Und ich sah aus dem Fenster epheugrün Ein Märchenkind lauschend sich biegen.

Ein Mädchengesicht, so lieb, so traut, Wie ich es nimmer zuvor geschaut.

Gleich flüssigem Golde erglänzte ihr Haar Und ich las in dem dunklen Augenpaar Ein wehmütig banges Erwarten. Ein leiser Wind erquickte die Luft Und trug einen süßen, berauschenden Duft Vom Holunderbusch durch den Garten.

Dort saß an des Springbrunns Sprudelquell Geigend ein müder Wandergesell.

Und als dann – und das war so schön in dem Traum – Eine Nachtigall hoch im Lindenbaum Mit einstimmte in seine Lieder Und schluchzend sang, wie von Schmerz und Lust, Da war es, als fiele auf meine Brust Das Glück wie ein Morgentau nieder. – –

Die alten Linden seufzten im Wind. Im Schlosse weinte das Märchenkind.

Da flog aus dem Schatten gespenstig vom Dach Eine Fledermaus auf. Da wurde ich wach Und alles war plötzlich verschwunden.

Ödes Erwachen. Wie leerer Schaum Zerronnen war alles, was ich im Traum So selig geschaut und empfunden. – –

Doch wie ein Trost kams über mich dann: O glücklich, wer noch so träumen kann!