German poem
Bischof Hatto
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
(Ballade.)
Am Mäuseturm im Rhein Ersteht um Mitternacht Ein wundersamer Schein, Wie ihn kein Feuer facht.
Der Fischer, der noch spät Mit seinem Fang bemüht, Spricht schnell ein kurz Gebet, Wenn er den Schimmer sieht.
Er weiß, im alten Turm Läuft jetzt dem bösen Mann, Dem Bischof Hatto, Sturm Der grimmen Mäuse Bann.
Er kennt die Sage ja, Die Sage alt und grau, Und weiß, was einst geschah In dem verwünschten Bau.
Wie Hattos Raserei Die Hungernden verbrannt, Und wie er ihr Geschrei Den „Mäusepfiff“ genannt.
Den Turm hat er gebaut, Der Rache zu entgeh’n, Die Gott für ihn gebraut Auf der Gequälten Fleh’n.
Im Rheine, fest und schwer, Mit Kammer und Gelaß, Weil ihn ein Mäuseheer Bedrängt ohn’ Unterlaß.
Doch auch der Turm von Stein War ihm kein Rettungsport, Es schwammen durch den Rhein Die Mäuse nach sofort.
Sie drangen in sein Haus, Trotz allem Hindernis, Und Hattos Leib, o Graus, Zernagt ihr scharfer Biß.
Und was da jetzt noch glüht, Ist schlimmer Höllenbrand, Der von den Mäusen sprüht, Die Hatto nachgerannt,
Die, weil er ohne Reu’ Einst Todesnot verlacht, Ihn heut’ noch immer neu Auch töten jede Nacht.