Versos German Heinrich Kämpchen Der heilige Spring

German poem

Der heilige Spring

by (1847–1912)

Listen in the reader

In den Bergen von Balkhausen, Dort am schönen Ruhraflusse, Quillt ein Born aus dem Gesteine Heute noch mit raschem Gusse. –

Ueberdacht von Eichenkronen, Läßt der Quell vom Bergeshange Seine Wasser niederrinnen, Frisch und froh – wer weiß wie lange.

Heilig war er einst den Alten, Davon gibt die Sage Kunde, Und durch Weihspruch zauberkräftig Für Gebrestige und Wunde. –

Schlug der Kampf den Kriegern Kerben, Traf ein Speerwurf ihre Weichen, Trug man sie zum Zauberbronnen Unter’m Dach der heil’gen Eichen. –

Und wenn sie vom Blutverluste Schon zum Tode lagen nieder, Gab ein Trank vom Wunderwasser Ihnen doch das Leben wieder. –

Auch den unfruchtbaren Frauen, Deren Hoffen schon zerronnen, Tranken sie von seinem Nasse, Half der kühle, klare Bronnen. –

So vom heil’gen Spring berichten Uns die alten Ruhrtalsagen – Selber hab’ ich auch gekostet Schon von ihm in Maientagen.

Wenn die Berge ich durchstreifte, Um der Vorzeit nachzusinnen – Mögen lange seine Wasser Noch zur Ruhra niederrinnen. –