German poem
Golgatha
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Auf der Haide wüst und grau, Ohne Dach und ohne Wand, Liegt ein alter Zechenbau ¹), „Golgatha“ auch zubenannt. –
Golgatha, ein treffend Wort, Das der Knappenmund geprägt – Hat doch mancher Schädel dort Sich gar früh zur Ruh’ gelegt. –
Aber nicht allein nur du, Schädelstätte auf der Heid’, Gabst dem Bergmann frühe Ruh Und den Schlaf der Ewigkeit. –
Nein, es türmet sich ein Wall Solcher Orte ringsum hier – „Schädelstätten“ sind sie all’, Uns’re Gruben im Revier. –
Schädelstätten schlimmster Not, Ja, ich halt’ das Wort in Kraft, Schädelstätten, wo der Tod Täglich seine Opfer rafft. –
Und doch, Knappe, mußt du fort, Denn das Elend treibt dich ja, Nach dem fluchbelad’nen Ort, Nach dem düstern Golgatha. –
Mußt tagtäglich für und für Weiter fronen müd und matt, Bis sich auch für dich die Tür Auftut zu der Grabesstatt. –