German poem
Geheimes Leben
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Tief im Schachte, tief in Nächten Regt sich oft geheimes Leben, Bleiche Silberlampen schweben Dann durch Stollen und Geklüfte. –
Und dazu raunt es verstohlen Aus den Schründen, aus den Spalten, Wo die Gnomen Wache halten Bei den unterird’schen Schätzen. –
Stimmchen fein wie der Cikade Singen, wispern hier und drüben – Bald wie Hassen, bald wie Lieben Klingt die wunderliche Weise. –
Da – ein Knall – und Donnertosen Schüttert durch Gebirg’ und Stollen – Weithin dröhnt des Schusses Grollen, Der die Felswand sprengt, die harte. –
Aber auch die kleinen Wichte Hat verscheucht das rauhe Dröhnen – Aus den Klüften, dringt kein Tönen Und erloschen sind die Lampen. –
Wieder herrschen Nacht und Stille, Wo vordem geheimes Leben Seine Kunde hat gegeben Tief, ganz tief im Schoß der Erde. –