Versos German Heinrich Kämpchen Frau Nachtigall

German poem

Frau Nachtigall

by (1847–1912)

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Und wieder hab’ ich in Maientagen Gelauschet dem Nachtigallenschlagen, Und wieder neu bestrickt mir die Seele Die Sangeskönigin Philomele Mit ihrer tönenden Liebesmacht – Es rauscht der Born, es blitzt der Schacht. – Die alten Mären, die alten Sagen, Sie raunen aus diesem Jubeln und Klagen – Und wieder hält mich die süße Weise Gebannet in ihre Zauberkreise. – Ich möchte hinunter ins Gnomenreich Zur Wassernixe, so kalt und bleich, An meinem Busen, in meinen Armen Will ich die Kalte zur Liebe erwarmen. – Und mehr und mehr noch wächst das Verlangen, Ich möchte zu allem mich unterfangen – Die Elfen belauschen auf weichen Sohlen, Die Sterne vom Himmel herunterholen, Die goldenen Sterne aus ihrer Haft, Ich weiß es, ich fühle dazu die Kraft. – Ich sauge sie aus den funkelnden Tönen, Demantengeschmeide im Reiche des Schönen – Das ist nicht irdische Melodei, So klagt die Elfe, so weint die Fei. – So mochte wohl Heinrich von Ofterdingen, Der große Sänger der Minne, singen, Mit solchen Tönen die Herzen rühren, Die Sehnsucht wecken, die Gluten schüren – So sang wohl Wolfram von Eschenbach Die Leidenschaft und die Liebe wach. – Im Dämmerdunkel, im Waldesschweigen Vernahm ich wieder den Zauberreigen, Das Jubelklagen, das Sehnsuchtssingen, Wie Harfentönen, wie Flötenklingen, Den alten, süßbestrickenden Schall – Das war dein Lied, Frau Nachtigall. –