German poem
Reue
by Heinrich Kämpchen (1847–1912)
Was ich bereue? – Daß ich nicht das Glück Der Liebeslust in vollem Zug genossen – Und daß so mancher rasche Augenblick Für mich ist ungenützt dahingeflossen. –
Daß ich so oft der Schönheit ging vorbei, Mit Sehnsucht und mit knabenhaftem Bangen, Daß ich in blöder Jugendeselei Nicht zugriff, wenn die Frucht vor mir gehangen. –
Dahin, dahin – und ohne Wiederkehr, Und keine Hoffnung gibt dem Herzen Labe – Das macht mir die Erinnerung doppelt schwer, Das ist die Reu, die ich im Alter habe. –