Versos German Hermann Lingg Ostern

German poem

Ostern

by (1820–1905)

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Eiszeitstürme rissen sich los Von Gletscherhöh’n, schwarz die Nacht, Schwarz die Erde, Stromgetos, Hagelschauer und Wolkenschlacht. –

Das ist der Frühling, eh’ er erwacht.

Finster noch ist sein Antlitz, seine Brauen Seh’n drohend umschattet, Kampf ist sein Loos. Es trotzten ihm Frost und Nebelgrauen, Es trotzt verschlossen der Erde Schoos. Grabhügel wirft er und mordet Blüthen, Wie ein Erob’rer nur im Zerstören groß.

Aber bald regt es sich milder, es thauen Frühere Morgen, Herzen erglühten, Herzen erglühen, und Veilchen schauen Lächelnd empor, der Schnee zerrann – Jetzt führt er, ein Sieger, sein dampfend Gespann Jauchzend über Bergesspitzen – Unter Blumen dann, weil er die Schlacht gewann, Schlummert er ein, gekrönt von Blitzen.

Ueber den Wipfeln lichter immer Ahnungsvoll nah, Leuchtet schon wärmerer Schimmer, Ostern ist da!

Ostern! Lieblicher Name, gestickt In’s Festgewand der verjüngten Natur, Schon aus duftenden Kelchen blickt Sonnengold wieder und Himmelsazur! Ostern! Ihr jubelnd Frohlocken Schmettert die Lerche dem Aether zu, Ostern – es mahnen die ernsten Glocken: Menschenherz, frohlock’ auch du!

Ueberall breiten im Frühlingssegen Deiner Sehnsucht, liebenden Armen gleich, Sich die Wunder der vom Todtenreich Auferstandenen Schöpfung entgegen. Ostern ist da!

Hermann Lingg.