Versos German Hermann Marggraff Der tolle Tambour

German poem

Der tolle Tambour

by (1809–1864)

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Was klingt vor Liebchens Fenster So laut in die Nacht hinein? Das muß wohl eine Trompete Und eine Trommel sein.

Ja! ein verliebter Trompeter Bläst in’s Metall so stolz, Und ein verliebter Tambour Schlägt wacker auf Fell und Holz.

Der Eine steht links im Garten, Der Andre rechts am Zaun; Die beiden Nebenbuhler Sich in die Augen schau’n.

Der Tambour legt in die Trommel Der Sehnsucht ganzen Schmerz, Der Trompeter an die Trompete Seinen Mund und auch sein Herz.

So stehen sie und warten, Wem Hand und Herz sie giebt, Ob mehr sie die Trompete, Ob mehr sie die Trommel liebt.

Was wirbelt auf der Straße Vor der Liebsten niedrigem Haus, Als zöge nächtlich zum Thore Ein Regiment hinaus?

Das klingt so wild verworren, Das hat einen lauten Takt, Das hat mit Furcht und Entsetzen Die Nachbarn angepackt.

Wie Feuerlärm so störrig, Wie sterbende Liebe bald, Wie ein Signal beim Aufruhr Die wirbelnde Trommel schallt.

So wirbeln können viele, So flüstern kann eine blos, Es läßt der Tambour die Geister Des liebenden Wahnsinns los.

Die überkollern und jagen Sich alle in wilder Lust; Sie steigen nicht aus der Trommel, Sie steigen aus tiefer Brust.

Die Fenster werden helle, — Da erscheint sie im Nachtgewand! — Mein Tambour, lieber Tambour! — Sie winkt mit der weißen Hand.

Wie quillt die Brust aus dem Tuche, Das Wort aus den Lippen schon! Der Tambour hält an die Schlägel; Da spricht sie mit sanftem Ton:

„Mein Tambour, lieber Tambour! Was treibst du vor meinem Haus? Du Wilder! du störst den Trompeter Und mich aus dem Schlaf heraus!" Da faßt er an die Schlägel, Da rührt er sie mit Macht, Da hat er durch die Straßen Gewirbelt und laut gelacht.

Das Fell das ist zersprungen. Die Trommel fand man im Fluß, Mein Tambour, lieber Tambour! Nach dir man suchen muß.