Versos German Hermann Oelschläger Untreue vor Gericht

German poem

Untreue vor Gericht

by (1839–1908)

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Von Hermann Oelschläger.

Wahrlich, weit ist’s nun gekommen, Denn nun wirst Du vom Gericht Selber in’s Gebet genommen Und Du, Hans, Du schämst dich nicht? Ist von Deiner Lieb’ und Treue Dies der Schluß? Proceß und Streit? Hans, zuletzt kommt doch die Reue, Hans, ich bitt’ Dich, sei gescheidt.

Denk’ doch jener holden Stunde, Da im blüthenreichen Hag Die Geliebte Dir am Munde, Weinend Dir am Herzen lag, Sie, der längst auf Feld und Wiese Du gefolgt warst; denn nicht gleich Und nicht leicht ward Dein die Liese: Sie war arm und stolz, Du reich.

Doch noch reicher sollst Du werden, Deine Mutter weiß genau, Müller’s Wittib sei auf Erden Und für Dich die beste Frau. Hier sei Alles zu gewinnen, Ihr gehören Wald und Feld, Ihre Schränke sind voll Linnen, Und die Kasten sind voll Geld.

Daß sie schielt? Wie darf Dich kränken, Was sie nicht verschuldet hat? Daß sie keift? Geh’ in die Schenken, Wie ihr erster Mann es that. Und wie sparsam ist sie! Butter Streicht sie nie auf’s Brod und drum Dreht sie auch wie Deine Mutter Jeden Groschen sechsmal um. Lockt Dich das? Sieh, wie die Alte Ueberredend zu Dir spricht, Daß Dein Herz nicht Treue halte! Und wie leuchtet ihr Gesicht! Haus und Mühle und Gesinde Fällt Dir zu – da fliegt Dein Blick Drüben zu dem bleichen Kinde Mit dem traurigen Geschick.

Liebliche Gedanken neigen Sich Dir zu in alter Huld – Laß die Mutter! Heiß’ sie schweigen! Ehrlich sühne Deine Schuld. Horch, der Bote! Nun entschieden Wird der Streit – Hans, hab’ Verstand! Laß den Amtmann drin in Frieden Und dem Mädchen reich’ die Hand.