German poem
Waidmannsglück vor der Jagd
by Hermann Oelschläger (1839–1908)
Wald, o Wald, wie liegst du golden Heut’ vor meinen Blicken da, Da von ihr, der einzig Holden, Mir das Holdeste geschah. Ist es Wahrheit, sind es Träume? Sagt es mir, geliebte Bäume – Denn ein Himmel senkte sich Heut’ auf mich.
Rasch das Treppenhaus herunter Kam das allerliebste Kind, Singend, lachend und so munter Wie der junge Morgenwind, Schlank, im hochgeschürzten Kleide, Drunter, eng geschnürt in Seide, Füßchen – ach, wie klein, wie nett Und kokett.
Und da trat ich auf die Schwelle – Kaum noch weiß ich, wie’s geschah, Als ich sie so schön und helle Plötzlich mir vor Augen sah. Kaum noch weiß ich, wie’s gegangen, Ob ich sie, sie mich umfangen, Doch wir schlossen unsern Bund Mund an Mund. Also ruhten wir – wie lange! Mund an Mund in sel’ger Pein – Niemand sah’s, als auf dem Gange Dort das bischen Sonnenschein. Und der Sonne gold’ner Schimmer Wich: wir küßten uns noch immer – Draußen von der Brücke drang Hörnerklang.
Hörner, schweigt! Wie soll ich lauschen Dem, was einst entzückend schien, Nun durch meinen Busen rauschen Noch viel schön’re Melodien Einsam hier im Schutz der Bäume Will ich ruh’n und kecker Träume Voll, mit ihrem Bild allein, Glücklich sein.