Versos German Jakob Michael Reinhold Lenz Auf die Musik zu Erwin und Elmire

German poem

Auf die Musik zu Erwin und Elmire

by (1751–1792)

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Wenn Sterblichen vergönnet wäre Zu seyn wozu der Dichter sie Mit Gotterhitzter Phantasie Erschafft der Welt und sich zur Ehre; Und in des Waldgebirges Thal Versenkte sich in schwarzvertrauten Schatten, Um seiner Quaalen Wuth durch Duldung abzumatten, Ein heutiger Erwin zum zweytenmal, Und hofft' umsonst im dichtrischen Reviere Den Tag, die Nacht, den andern Tag, Den dritten Tag, und Tag um Tag, Auf seine würkliche Elmire: – Dem Armen, welchen Rath könnt ihm ein Menschenfreund, Könnt' ihm der Dichter selbst mit nassen Augen geben? Vertraur', Unglücklicher! dein hassenswürdig Leben, Und trägst du's länger nicht, so tödte deinen Feind!

Ich aber wüste was ich riethe, Ich dem der Halbgott Aeskulap, Trotz Antiochus Arzt 1 , geheime Mittel gab, Und die ich auch nicht jedem Kranken biete: Ich sezte meinem lieben Schwärmer Ein klein Spinetchen in sein Thal, Und spielt' ihm auf dem kleinen Lärmer Der Herzogin Musik einmal; Und wenn dann mein Erwin aus seinen lezten Zügen Nicht aufspräng' als ein junges Reh, Und sie allebend kommen säh Vom Berg herab ihm in die Arme fliegen, Und schwüre nicht, daß sie alliebend vor ihm steh Und er für Wohl an ihrer Brust vergeh; So wollt' ich unter seinem Weh Mit ihm ersinken und erliegen!

Ja ja, Durchlauchtigste, Du zauberst uns Elmiren In jede wilde Wüsteney; Und kann der Dichter uns in seelger Raserey Bis an des Todes Schwelle führen: So führst Du uns von da noch seeliger und lieber Bis nach Elysium hinüber.