German poem
Fragment
by Jakob Michael Reinhold Lenz (1751–1792)
In ewiger Unbehäglichkeit, In undenkbarer Einsamkeit, Ach, von nichts mehr angezogen, Verschnauf' ich hier des Erebus Wogen. Bittre Fluten, liebtet ihr mich, Wär' ich in eurem Schooß' ersunken, Hätte da Vernichtung getrunken; Aber, ach! ihr haßtet mich! Fühltet ihr, wie's mich gelabt, Als ihr brennend mich umgabt, Wie es kühlte meine Pein, Mich von etwas umfangen zu wissen! Von der Schöpfung losgerissen Noch von etwas geliebt zu seyn! Aber, ach! betrogen, betrogen! Auch ihr haßt mich, grausame Wogen! Ist kein Wesen in der Natur, Das, nicht lieben, nicht erbarmen, Das mich gränzenlosen Armen Bey sich dulden wollte nur?
Bacchus (tritt von hinten herzu und berührt ihn mit Merkurs Stabe.)
Mein Freund!
Doktor Faust (wendet sich um.)
Ihr Götter!
Welche Stimme! Kommst du vielleicht mit zehnfachem Grimme, Grosses Wesen, meiner Pein Neue endlose Stacheln zu leihn? Willst du eines Verzweifelten spotten? Oder kömmst du, wie dein Gesicht, Liebenswürdigster! mir verspricht, Mich auf ewig auszurotten? – Nimm meinen Dank und zögre nicht!
Keins vou beyden. – Dein Herz war groß – Faust – – – du bist deines Schicksals los, Und, wenn dir die Gesellschaft gefällt, Komm mit mir zur Oberwelt!