German poem
Als er sie seiner beständigen Treue versicherte
by Johann Christian Günther (1695–1723)
Weine nicht, mein Kind, ich bleibe Dir bis in den Tod getreu. Glaube, was ich denk' und schreibe, Ist und heißt stets einerlei, Weil die Redlichkeit zum Lieben Mir Gesetze vorgeschrieben.
Gott und Himmel können zeugen, Daß ich dir beständig bin; Eher wird die Wahrheit schweigen, Als mein falsch- und leichter Sinn Das geknüpfte Band zerreißen Und des Meineids schuldig heißen.
Laß die Wetter unterdessen Über unsrer Unschuld stehn! Mußt du bittre Mandeln essen Und vor jetzt auf Dornen gehn, So bedenke, das Vergnügen Wird uns einst zusammenfügen.
Warte mit Geduld der Freude Und der ungemeinen Lust, Welche du mit diesem Leide Dir zuvor verdienen mußt; Endlich werden deine Tränen Uns den Weg zur Wollust bähnen.
Jetzo geb' ich deinem Kusse Eine kurze gute Nacht Und gehorche diesem Schlusse, Welchen das Verhängnis macht; Doch will ich in wenig Tagen Dir die Ankunft wieder sagen.
Lebe wohl! die Zunge stammelt, Und der Augen nasses Heer, Das die Wehmut schon versammelt, Macht so Hand als Feder schwer Und verbietet meinem Willen, Diesen Bogen anzufüllen.
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