German poem
An meinem Geburtstage
by Johann Christoph Friedrich Haug (1761–1829)
dem 9ten März 1822.
Der Jahre Sechzig floh’n, wie Minuten hin. Gesundheit blieb mir treu, wie mein heit’rer Sinn. Mich prüfend, kann ich ohne Grauen Auf der Vergangenheit Monde schauen.
Der Liebe Glück, mein Höchstes, besäng’ ich gern; Doch kaum vermags ein Sänger auf beß’rem Stern. Den Vater mehr, den Ahn umdrängen Kinder und Enkel mit Weihgesängen.
Der Freunde zähl’ ich viel, wie der Weltling wähnt; Allein der treuer’n, wie sie mein Herz ersehnt, Sind Zwey genug. Am Knotenstabe Pilgern zusammen wir bis zum Grabe.
Heil, lächelst du noch, himmlische Muse, mir; Heil, feyern, o Louise, noch segnend wir Das seltne Fest der Jubel-Ehe; Aber der Wille des Herrn geschehe!
Haug.