Versos German Johann Georg Fischer Kolbachthal

German poem

Kolbachthal

by (1816–1897)

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Wie freust du dich, Erde, Daß im Lichte du wandelst Jenes kurze Weilchen, Welches Jahrtausende, Welches Millionen Jahre wir nennen, Daß du jetzo wandelst Den Augenblick lang In jenem goldnen Himmelsstriche des Raums, der Zeiten, Der auf deine Flächen Grüne Gefilde und Silbergewässer, Herrliche Völker und Thaten zeichnet, Leben und Kunst.

Wie freust du dich, Erde, Deines grünenden Wandels! Ich freue mich auch Und wandle mit dir, mein Kind, an der Hand, Und es führt uns der Freund, Der kunstreich schauende, Kunstreich bildende, sinnende Freund So wandeln wir, Zeitaltern vergleichbar, Wir einzelnen Jungen und Alten zusammen, In einem der tiefen, Leuchtenden Gründe des herrlichen Schwarzwalds, Wandeln am Bache Aufwärts, aufwärts, den Quell zu finden.

Gegen einander, drückend und stützend, Aber unendlich erfind’risch an Formen Sind sie gelagert, die schweigenden Felsen, Von Rankenschnüren und mächtigen Farnen Gleich wehenden Haaren überhangen. Thurmhoch ragen, Den Himmel zu fassen, die Stämme der Tannen; Den Abgrund packen Der Riesenwurzeln klammernde Fänge, Doch im Moose streifen Des Sonnenlichtes spielende Finger, Und dazwischen plätschert des Baches Gerede Jedem Steine sein rieselndes Lied. Aber mit einmal Faß’ ich den Freund, faßt er mich am Arme: „Sieh dorthin, dorthin!“ „Tritt hierher, hierher! So siehst du satter das Wundergebilde.“

Eines Felsens gehöhltes Halbrund, wie eine Urne, umhemmte den drängenden Quell, Und den Fels umstanden die ragenden Stämme, Die Säulen im Chor den Altar umsteh’n. Doch die Urne füllte das ruhlose Wasser, Und in lichten Strängen, Dreifach getheilten, dann wieder vereinten, Floß es vom Rand In krystallenem Falle zur Tiefe weiter. Von oben aber malte der Aether Im Wasserspiele die Wipfel der Bäume, Wie wenn vom Jenseits aus ewigen Tiefen Himmlische Maien herüberwehten.

Aber mein Kind an Armen und Händen Fester hielt ich und sprach zu ihm: „Sieh, heute so sonnig, Doch andere Male Bei Sturm und Donner wandelt die Welle, Wandelt bei immer wechselnden Lichtern, Und so wandeln, mein Kind, wir selber, Wandelt die ganze fluthende Zeit, Ein junger Zustrom, Ein kleiner Aufhalt, Ein kurzer Fall.

Doch das Auge der Welt schaut zu, schaut zu, Und vom Auge der Welt sind wir auch ein Theil, Ich und du, mein Kind, Und der Freund, der uns führt, Und wir sehen verwundert, Wie das Wasser kommt, Wie das Wasser geht, Und wir auch dazu.“

Doch der Freund, der Meister des Pinsels, zaubert In Farben das Bild, zu erfreuen die Herzen, Und ich versuch’ es In unzulänglich tastenden Worten.