German poem
Herbstlied
by Johann Karl Wilhelm Geisheim (1784–1847)
Brüder, seht, Herbst machet Ernst; Dicke Nebel spinnt er; Finken, Schwalben, Störche ziehn, Und die Nacht dahinter. Ehe wir es uns versehn, Eh’ wir noch dran denken, stehn Wir im rauhen Winter.
Darum ist es wohlgethan, Klug in allen Fällen, Daß bei Zeiten wir das Haus, Eh’s verschneit, bestellen, Da noch in dem Lichte wir Sitzen an dem Weinspalier, An den grünen Quellen.
Mag der Regen und der Sturm Wild auch draußen brausen; Unsers Hauses Dach sei fest, Sicher drinn zu hausen: Was des heitern Friedens Herd, Was uns Fleiß und Lust beschert, Ungestört zu schmausen.
Unsre Speisekammer sei Wohl verwahrt vor Mäusen, Die wir oft wohl selber sind, Bei zu fetten Schmäusen, Wenn dem Kram das Maaß gebricht, Wenn der Leib der Schnecken nicht Paßt zu den Gehäusen.
Reich an guten Geistern sei Unsers Kellers Tiefe. Wehe, wenn das Wasser uns In die Geister liefe! Wehe, wenn an Geist verwaist, Uns des Frohsinns Feuergeist Todt im Keller schliefe!
Geist bedarf’s, um ob der Zeit Minder sich zu härmen, Und im Winter lustbewegt Wie im Lenz zu schwärmen. Und, daß bei uns Frühling sei, Soll am Ofen ihren Mai Uns die Liebe wärmen.