German poem
Stiftungsfeier
by Johann Karl Wilhelm Geisheim (1784–1847)
Heil uns, daß wir gestiftet sind Zum Leben und zum Lieben; Und nicht für Ros’ und Rebe blind Sind in der Nacht verblieben, Wo rings um uns nur Wasser war: Drum, Freunde, nehmt die Stiftung wahr, Laßt Reb’ und Lieb’ auf Erden Uns nicht zu Wasser werden.
Der aus dem Wasser einst die Welt Hat durch sein Wort gestiftet, Und uns den Blick zum Sternenzelt Hat gnädiglich gelüftet; Er stiftete mit Noah ja Den Bund, als er sein Opfer sah, Daß nicht mehr Herr der Erde Der Sünden Wasser werde.
Laßt Noah’s Opfer, laßt den Wein Drum selbst uns nicht vergiften. Laßt uns, des Weltstifts uns zu freu’n Stets neu das Bündniß stiften, Das uns zu Wasserbändigern, Zu ehrenwerthen Stiftungsherrn Von einem heitern Leben Uns macht bei Ros’ und Reben.
Wem sich der Blick nicht lüftete, Daß nach dem Licht’ er schiffte; Wer nimmer Gutes stiftete, Gehört nicht zu dem Stifte. Wir essen gern, wir trinken gern; Doch wird gebeten, auch den Stern, Der vor uns schwebt beim Essen Und Trunk, nicht zu vergessen.
Heil uns, daß wir gestiftet sind Zum Lieben und zum Leben. Für Sterne machen nie uns blind Die Rosen und die Reben. Zieht nur, ihr Weisen, uns voran, Ein Jeder folgt euch, wie er kann, Und Einer lernt vom Andern Sterngucken und drauf wandern.