Versos German Johann Klaj Ich ruhe in den Felßlöchern

German poem

Ich ruhe in den Felßlöchern

by (1616–1656)

Listen in the reader

Wann der Wolcken Nacht aufsteiget/ an dem blauen Sternenfeld/ Vnd deß Wetters Flammen zeiget/ daß die steinern Eichen spelt/ Treibt der Hirt die Schäfelein/ vor deß Himmels Vnmuth ein sichert sie vor Dampf und Blitzen und der Donnerkeile sprützen.

Das beliebte Volck der Lüffte stelt sein tireliren ein/ und versteckt sich in die Klüffte/ daß es möge trucken seyn/ auch die Turteltaube schaut/ wo sie jhr Hauß aufgebaut/ in der holen Felsen Ritzen/ vor deß Hagels Zorn zu sitzen.

Ach es hat sich aufgezogen eine dunckeltrübe Nacht/ es kömpt Pechschwartz hergeflogen durch deß Wolkentreibers Macht/ der erzürnte Höchste schilt seiner Stimme Donner brült/ der erboste Himmel wittert/ Wild und Wald/ und alles zittert.

Wol dem der sich hat gefunden wenn es hagelt/ dampft/ und blitzt/ in die Höle der fünf Wunden seines Heylands der jhn schützt/ daß jhm weder Sturm noch Flut/ weder Hagel/ Dampf/ noch Glut auch im minsten nicht kan rühren/ ja das Wetter selbst nicht spüren.

Gleich wie die verwäisten Jungen vor dem Habicht schüchtern seyn/ wenn ein Raub jhm mißgelungen so verkreucht sich groß vnd klein/ in ein stilles Klippendach Er setzt an/ vnd kan nicht nach/ fleugt erbittert auff und nieder flattert hungrig hin und wider.

Also ruhet meine Seele weil sie zeitlich eingekehrt/ in die sanffte Seitenhöle kein Stoßvogel sie gefährt/ läst der starcken Schlossenmacht alles splittern daß es kracht/ und verlacht deß Geyers Magen der sich nicht an sie darf wagen.

Wann von neuen wird bemahlet der hochliecht gestirnte Saal/ und der Erden Fakkel stralet übergüldet Berg und Thal/ kömt das Vöglein wider vor schwingt sein Stimlein schön empor/ und kan auf viel tausend weisen seines Schöpfers Rettung preisen.

So wann es in meinem Hertzen wider stil und heimlich wird acht ich keiner Furcht und Schmertzen/ singe/ klinge daß es schwirt/ such ein neues Lied herfür spiel eins auf der Lauten Zier Ich kan keiner Freude missen/ üm daß ich dem Todt entrissen.