Versos German Johann Peter Hebel An eine Freundin im Oberlande

German poem

An eine Freundin im Oberlande

by (1760–1826)

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Frau Vögtin in dem Unterröcklein, Was treibt Sie und was macht Sie Guts, Spinnt Sie vielleicht vergnügten Muths Manschetten-Zwirn an einem Zöcklein?

Ich seh’ Sie zwar dafür nicht an, Daß Sie aus Kuder, So fein er ist, Garn zu Battist, Aus Kienruß Puder Erhexen kann. Das hat der leidige Reim gethan, Auf Unterröcklein Reimt Flachs sich schlecht, Allein ein Zöcklein Thuts eben recht.

Einst spann ein Zöcklein Im schwarzen Röcklein Zwar selbst Battist Für manchen Christ, Das fromme Möcklein, Das in Eimeldingen verstorben ist.

Dasselbe Zöcklein, Das Hexen besser als wir verstand, Denn seine Hand Hat aus einem Bröcklein Vom winzigsten Text Dreitausend Ellen Faden gehext. Das war mir ein Zöcklein!

Sanft schlafe der Müde, Und Gottes Friede Wall’ auf ihn herab. Ein Rosenstöcklein Schmücke sein Grab, Der mir einmal sechs Schnupftücher gab, Die ich schon alle verloren hab. Einst hab ich, wenn Ihrs zu gedenken beliebt, Einen schlauen Schnupftuchhandel verübt. So sehr ichs dem Spitzbub verargte, Daß er mich so entsetzlich geprellt, That er doch, was ihm die Klugheit gebot; Schickt man die Narren zu Markte Lösen die Krämer viel Geld. Blau war das eine, das andere roth. Das was mir im schlechten Handel zerronnen, Hab ich wieder an guten Leuten gewonnen, Wies Gelegenheit gab. Manch Schnupftuch zum Beispiel hab ich Euch gemaust Und hättet Ihr nicht so weise gehaust, Ihr putztet die Nasen am Ermel ab, Oder gar am niedlichen Röcklein.

Frau Vögtin, ich plaudre so gerne mit Euch In Scherzen, im Ernste; sel gilt mir gleich Schon läutet zur Schule das Glöcklein, Es hüpfen die Knaben wie Böcklein; Ich lasse sie hüpfen, und bin mit Euch, In Gedanken, Ohne Wanken. Wenn Ihr an den Bäumen schüttelt, Oder die Dukätlein rüttelt, Hühnernester visitiret, Oder Eiern-Anken rühret, Schliechte machet, Federn zupfet, Gänse füttert, Tauben rupfet, Bin ich in stillen Gedanken bei Euch.

Gott segne Euer Haus, Vom Mann bis zu der Maus; Trauben reif und süß, Saftig das Gemüß, Aepfel roth und nett, Gänslein zart und fett, Alles Euer Thun gelinge, Und der volle Nußbaum bringe Viel tausend tausend Höcklein, Die Schafe zarte Böcklein. Frau Vögtin in dem Röcklein, Nun ist es aus, nun muß ich gehn, Und nach den lustigen Knaben sehn, Sie zausen einander am Röcklein. Nun Asse denn, nach altem Brauch, Behüt Euch Gott, und schreibt mir auch.