German poem
Venetianische Epigramme — XLV (Schon entrunzelt sich jedes Gesicht…)
Schon entrunzelt sich jedes Gesicht; die Furchen der Mühe, Sorgen und Armuth fliehn, Glückliche glaubt man zu sehn. Dir erweicht sich der Schiffer, und klopft dir die Wange; der Seckel Thut sich dir kärglich zwar, aber er thut sich doch auf, Und der Bewohner Venedigs entfaltet den Mantel, und reicht dir, Eben als flehtest du laut bey den Mirakeln Antons, Bey des Herrn fünf Wunden, dem Herzen der seligsten Jungfrau, Bey der feurigen Qual, welche die Seelen durchfegt. Jeder kleine Knabe, der Schiffer, der Höke, der Bettler Drängt sich, und freut sich bey dir, daß er ein Kind ist, wie du.
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