Versos German Josef Willomitzer „Es waren zwei Königskinder …“

German poem

„Es waren zwei Königskinder …“

by (1849–1900)

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Dem Röslein gleich im Blumentöpfchen, So sitzt die Jungfrau festgebannt. Sie seufzet bang – das blasse Köpfchen Neigt sich, gestützt von schmaler Hand.

Doch plötzlich hebt sich mit dem Mieder Ihr scharfgeschnittenes Profil, Denn wagend naht der Jüngling wieder, Den nie sein Wagen führt zum Ziel.

Und mit dem Blicke seiner Augen, Der hoffnungslos zu wagen klagt, Will sich ihr Blick zusammensaugen, Der, was sie fühlt, zu sagen wagt.

Ach, würde doch der Tag erscheinen, Da ich mit Dir enteilen dürft’! So sagt ihr Aug’, das an dem seinen In flüchtigem Verweilen schlürft.

Jedoch in seines Auges Blitzen Die Worte klar zu lesen sind: Ach könnt’ ich doch geruhig sitzen An deiner Seite, süsses Kind!

So wiederholt sich oftmals täglich Des Glückes kurzer Flammenschein; Die beiden lieben sich unsäglich Und können nie beisammen sein!

Auf des Geschicks ruhloses Treiben Wirft dieses Lied ein scharfes Licht: Die Jungfrau will nicht sitzen bleiben – Der Jüngling will’s – und darf es nicht!

Wie Ahasver der Wanderjude, So muss er schweifen hin und her. O Jungfrau in der Tabaksbude, O armer Tramwaykondukteur!