German poem
Asphalt
by Joseph Victor von Scheffel (1826–1886)
Bestreuet die Häupter mit Asche, verhaltet die Nasen Euch bang, heut gibt's bei trübfließender Flasche einen bituminösen Gesang.
—Schwül strahlet die Sonne der Wüste, am toten Meere macht's warm; ein Derwisch spaziert an der Küste, eine Maid aus Engeddi am Arm.
Nicht Luftzug noch Wellenschlag kräuselt den zähen, bleifarbenen See, nur Naphthageruch kommt gesäuselt und dunstig umflort sich die Höh'.
's ist eine versalzene Gegend und niemand ringsum ist gerecht. Zu Loths Zeit hat's Schwefel geregnet und heut noch ist alles verpecht.
Keine Wäscherin naht mit dem Kübel, kein Durstiger naht mit dem Krug und dem Durstigsten selber wird übel, wagt er aus der Flut einen Zug.
Zwei schwarzbraune Klumpen lagen am Ufer faulbrenzlich und schwer; drauf setzte mit stillem Behagen das Paar sich und liebte sich sehr.
Doch wehe! sie saßen auf Naphtha, und das läßt keinen mehr weg, wer harmlos sich dreinsetzt, der haft't da und steckt im gediegensten Pech.
Sie konnten sich nimmer erheben, sie jammerten: »Allah ist groß! Wir kleben—wir kleben—wir kleben! Wir kleben und kommen nicht los!«
Umsonst hat ihr Klagen und Weinen die schweigende Wüste durchhallt, sie mußten zu Mumien versteinen und wurden, ach! selbst zu Asphalt.
Ein Vögelein wollte um Hilfe hinüber zum Städtlein Zoar, betäubt fiel's herab ins Geschilfe, es stank, daß zu fliegen nicht war.
Und blaß, mit erschaudernden Seelen sah man einen Walfahrtzug fliehn— den Pilgern sowie den Kamelen war's benzoësauer zu Sinn.
So geht's, wenn ein Derwisch will minnen und hat das Terrain nicht erkannt ... O Jüngling, fleuch eiligst von hinnen, wo Erdpech entquillet dem Land.