German poem
Die Herberge am See
by Joseph Victor von Scheffel (1826–1886)
Dich feiern die freudigsten Lieder, Taberne zum lachenden Hecht, sind auch deine Hallen nur nieder, uns Fahrenden sind sie gerecht.
Hier trink' ich bekümmersnisledig Lenzlüfte und sonnigen Schein, und wär' ich der Fürst von Venedig, mir könnt' nicht wohliger sein.
Eine enge Dachkemenate herbergt mich als Dogenpalast, und eine bretterne Lade mein Hab' und Besitztum umfaßt.
Ein Bänklein im Schatten der Linde ist mein heiliger Markusplatz, dort spielen die Fischerkinde mit der scheckigen Klosterkatz'.
Mir lagert als Kreuzzugsgaleere ein Einbaum im Arsenal, den steur' ich in friedliche Meere als mein eigner Admiral.
Ein Schaumtrunk braunrötlichen Bieres erquickt mich statt kyprischem Wein ... Wen lustet des Malvasieres, wo Malz und Hopfen noch rein?
So horst' ich, von Frühlingsgnaden ein glücklicher Meermann, allhier; hoch weht ob den weißen Gestaden der fahrenden Schüler Panier.
Nicht neid' ich der Welt ihre Wonnen, noch allen neunfarbigen Dunst: Still liegen und einsam sich sonnen, ist auch eine tapfere Kunst.