German poem
Das Dichtergrab am Rhein
by Julius Mosen (1803–1867)
Ich will eine Rose pflücken, Die letzte, die ich hab’, Ich komm’ damit zu schmücken Eines deutschen Dichters Grab,
Deß Lied wir oft gesungen, Den Schläger in der Hand; Wie das so hell geklungen, Das Lied vom Vaterland!
Vor dessen Liederstimme In dunkler, schwüler Nacht In seinem starken Grimme Das deutsche Volk erwacht!
Hinweg die Todtenklage, Dies Lied soll Wächter sein Mit seiner großen Frage Beim Dichtergrab am Rhein;
Bis in der Schwerter Sausen Die rechte Antwort grollt. Wie wenn mit Sturmes Brausen Das Meer die Wogen rollt;
Bis alle Fesseln springen An einem heißen Tag, Zerrissen sind die Schlingen, Die Zwietracht und die Schmach.
Die Rose soll er haben, Des Volkes Herz bleibt sein, Den sie so schön begraben Zu Bonn am deutschen Rhein.