German poem
Ludwig Uhland
by Julius Mosen (1803–1867)
Ein Nachruf von Julius Mosen.
Was war das für ein Singen Und Klingen die ganze Nacht, Als hätten bei einem Todtkranken Viel tröstende Engel gewacht?
Bald ging es wie ein Flüstern Von einem Bergesquell, Dann wieder wie Glockenklingen Von ferner Bergkapell’,
Dann wieder, als hörte man singen Das schlachtenmuthige Lied, Das der junge Siegfried gesungen Beim Amboß in der Schmied’.
Zuweilen wollt’ es tönen Von fern her wie ein Horn, Und wie das Wort, das gesprochen Zum König Bertram de Born. –
Als weihete der Priester Die Jünglinge zum Tod Für Vaterland und Freiheit Im Frühlingsmorgenroth.
Ein scharfer Luftzug streifte Die Harfe an der Wand: Sie klang wie Todtenklage Gerührt von Geisterhand.
„Uhland ist von uns geschieden!“ So rief ich weinend aus, Und junge Soldaten zogen Singend vorüber am Haus:
„Ich hatt’ einen Cameraden, Einen bessern findst Du nit. Die Trommel schlug zum Streite, Er ging an meiner Seite In gleichem Schritt und Tritt.
Kann Dir die Hand nicht geben, Bleib Du im ew’gen Leben Mein treuer Camerad!“
Und weiter rollen die Wogen Der heißen, drängenden Zeit – Sie tragen Uhland’s Namen Hin zur Unsterblichkeit.