German poem
Die Jobsiade — Zweiundzwanzigstes Kapitel
by Karl Arnold Kortum (1745–1824)
Hier könnte ich nun vieles herleiern Von seinen auf der Reise gehabten Abenteuern, Und was er in jeder fremden Stadt Merkwürdigs gehört und gesehen hat.
Ich könnte, um dieses Kapitel gemächlich zu füllen, Aus manchen alten und neuen Reisepostillen Und aus Berkenmeyer und Büsching Hervorsuchen manch geographisches Ding.
Ich könnte erzählen, daß er zum Vergnügen In der Schweiz die gefährlichen Gletscher bestiegen, Und daß er in diesem arkadischen Land Manche reizende Alpenschäferin fand.
Ich könnte erzählen von prächtigen Kunstwerken, Welche damals in Rom waren zu bemerken, Ob sie gleich von den Herrn Franken nachderhand Wurden nach Paris ins Museum gesandt.
Ich könnte erzählen von Cardinälen und Prälaten, Von schönen Sängerinnen und von Castraten, Von dem großen Sanct-Peters-Dom Und raren Antiquitäten in Rom.
Ich könnte erzählen von den Pontinischen Sümpfen Und von den italienischen Freudennymphen Und vom feuerspeienden Vesuv, Alle drei im ungesunden und schmutzigen Ruf.
Ich könnte erzählen von Redouten und Maskeraden, Wozu man ihn zum öftern eingeladen, Und von Gondelfahrten und vom Carneval Und manchem prächtigen Concert und Ball.
Ich könnte erzählen von großen Bibliotheken, Von gelehrten Denkmälern und alten Schartäken, Welche er im Lande Italia Oder sonstwo mir nichts dir nichts besah.
Ich könnte erzählen, wie er nach anderthalb Jahren Erst nach Frankreich, dann nach England gefahren, Und wie er nach manchem begafften Ding So klug als vorher wieder nach Hause ging.
Ich würde noch viel mehr erzählen können; Allein ich muß es offenherzig bekennen, Daß ich während seiner ganzen Reis' Von dem jungen Herrn nichts weiter weiß,
Als daß er fleißig an seine Stehre geschrieben, Ihr auch abwesend immer getreu verblieben, Und daß in langer Zeit kein andrer Mensch Etwas erfuhr von dieser Correspondensch.