Versos German Kaspar von Stieler Die Schein-keusche

German poem

Die Schein-keusche

by (1632–1707)

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Gaminde sieht so ernstlich auß/ sie kan für allen Junggesellen sich so verzumfen stellen/ wenn sie ihr sprechen zu: daß man sie vor die keusche Dirne/ die auß Diespiters Gehirne gebohren/ halten solt' Ey! keusche Pallas du/ weiß auff den Schild/ ich weiß/ er macht die Brüder starren macht dich und sie zu Narren.

Gaminde/ Stolze/ meinstu wol man werd' auff deine Keuschheit bauen? der geile Schmukk der Pfauen verräht dich wer du bist. Du blössest die begriffnen Brüste/ die keusche bergen solche Lüste und gehn beschnürt herein. Wo Keuschheit in dir ist so laß doch einen Flor nur um die Ballen spielen. Nein/ dir gefällt das Fühlen.

Gaminde liegt zum Fenster auß und spottet aller Jung-gesellen die sich verliebet stellen. Schaut/ Brüder/ in die Höh/ seht/ wie Gaminden keusche Wangen im rotem Feuer angegangen/ beschaut sie/ forschet nach/ ob Pallas auch so seh' ob ihr beernst Gesicht auß roter Menje blinke: das Aas ist roht von Schminke.