Versos German Kaspar von Stieler Wahrer Traum

German poem

Wahrer Traum

by (1632–1707)

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Ich gieng' einmahl im Traum zu Schiffe die Mele war mit mir mein Kind/ es bließ der linde Westen-Wind als unser Schiff zu Lande lieffe. Indehm entstund' ein Schiffgeschrey daß diß das Innland Zypern sey.

Als wir das Ufer nu gegrüsset umfieng mich Mel' und sprach zu mir: Schaz/ laß uns schauen diß Revier/ das Tahl/ so iener Fluß begiesset/ und hier der Zinnen hohen Schein/ so fast die Wolken nehmen ein.

Es war der Tempel der Dionen um welchen der Poeten Schaar so manchesmahl bemühet war/ wo Lieb' und Liebes-Kinder wohnen. Sein Altertuhm und Göttligkeit verkürzt' uns leichtlich Weg und Zeit.

Wir kahmen zu den Marmortühren/ Kupido ließ uns bükkend ein/ die Priesterinnen schrekkt der Schein der meine Schönheit pflegt zu zieren. Sie schrien mit gebeugtem Knie: hier ist die Venus/ hier ist Sie.

Das Bild der Göttlichen Zytehren verfärbte sich ob dem Altar. Der Hauffe/ so im Tempel war die Liebes-reizinn zu verehren rieff läuter: der sonst keiner nicht gebieret Ehre/ Würd' und Pflicht.

Indehm bewegt ich mich im Schlaffe der Traum verschwand/ Ich wurde wach und dachte diesem Bilde nach. Sich! (dacht' ich) daher rührt die Straffe. Die Venus macht mir so viel Müh weil Mele schöner ist/ denn Sie.