Versos German Lothar Meggendorfer Die guten Störche

German poem

Die guten Störche

by (1845–1925)

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Es ist eine alte Sache, Daß der Storch die Kinder bringt. Lange sucht er oft im Bache, Bis ihm solch ein Fund gelingt. Durch die Lüfte in dem Schnabel Trägt er weit die Kleinen dann; Darum schrei’n so miserabel Kleine Kinder dann und wann.

Hans und Gretel an dem Bache Eines schönen Tages steh’n; Auf dem Birnbaum mit Entzücken Sie die reifen Früchte seh’n.

Hansel möcht’ die Birne haschen, Gretel warnet vor Gefahr. Drüben hebet seine Flügel Just zum Flug ein Storchenpaar. Wie die Birne zu erreichen, Überlegen nun die zwei. Und die beiden Störche streichen An dem Kinderpaar vorbei.

Jetzt auf Gretels Schulter stellet Sich der Hans, und es gelingt, Daß die erste reife Birne Er in seine Hände bringt. Hätt’ er sich damit begnüget; Doch die zweite reizt ihn sehr. Wie er sich nach dieser strecket, Wird er Greteln fast zu schwer.

Durch das weite Vorwärtsneigen Wird zu mächtig das Gewicht; Weit nach vorne neigen beide Kinder schon ihr Angesicht.

Plumps! Da liegen sie im Wasser Hilferufend alle zwei, Doch die beiden guten Störche Kommen pfeilgeschwind herbei. Und die Störche tauchen schnelle Ihren Schnabel bis zum Grund, Suchen nach den beiden Kindern Und erhaschen bald den Fund.

Eins, zwei drei – es war ein Spaß – Da sind beide, pudelnaß. Hurtig geht es durch die Lüfte Zu dem Elternhause hin, Und dort werfen sie die Kinder, Wie gewohnt, in den Kamin.

Froh des guten Werk’s und heiter Fliegen Storch und Störchin weiter.

Hans und Grete, die berußten, Schwarz geworden wie ein Mohr, Mußten lange noch sich waschen, Bis sie sauber, wie zuvor.