German poem
Königin Mercedes
by Ludwig Ferdinand Schmid (1823–1888)
Nicht in deiner Trabanten Trosse, Von der Königin Lächeln beglückt Als betreßter Schranzen Genosse, Nicht da droben im Zauberschlosse Hätte der Dichter sich tief gebückt. Deinem Glanze stand er ferne, Majestät! doch er hätte gerne Für die kleine Braut eine Rose gepflückt.
Für das tändelnde Kind eine Rose, Nicht erfüllt von berauschendem Duft; Nein! wie dort, in ärmlichem Moose, Die bescheidene, dornenlose, Dort nur gedeiht in der Alpenluft. Majestät! aus seidenen Kissen Hat der Wüstenwind dich gerissen Und die Rosen gestreut auf des Kindes Gruft.
O warum, nach des Fatums Willen, Wendet sich meiner Gedanken Flug Lieber zu den verschämten, stillen Als zu königlichen Idyllen, Als zu Schalmeien und Fackelzug? Und warum sind goldne Räume Für der Menschheit lieblichste Träume, Für Philemon und Baucis nicht weit genug?