Versos German Ludwig Rellstab Allgemeines Deutsches Kommersbuch:72

German poem

Allgemeines Deutsches Kommersbuch:72

by (1799–1860)

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1. Der Freude leicht umschlingend Band hat fröhlich uns vereint! Den Trübsinn haben wir verbannt, weil er nur schwarz erscheint! Denn wo die Freude Tafel hält, sieht man nur bunte Luft, und bunt be= spiegelt sich die Welt in unsrer frohen Brust.

2. Wem mutig frei der Busen schlägt, der jubelt froh empor, was rasch das freie Herz bewegt, ertönt im lauten Chor; drum würzen wir uns unser Mahl durch deutscher Lieder Klang, und schwellend in dem hohen Saal erschallt der Chorgesang.

3. Der klaren Trauben Feuersaft erglänzt in dem Pokal, durch= dringt das Herz mit stolzer Kraft, durchglüht’s mit Götterstrahl! Auf, füllt die leeren Gläser an, schenkt bis zum Rande voll, den ersten Trunk, stoßt klingend an, auf unsers Bundes Wohl.

1. Der Wissenschaft sei unser Lied geweiht, die uns spendet die heiligen Lehren, ihr, die wir jetzt und allezeit im tiefsten Busen ver= ehren, |: die uns zeigt, wie Kraft und Wirkung gleich, und wie im Gesetz der Freiheit Reich! :|

2. Die Körper durchdringt die Leidenschaft, das ist ein ewiges Schwingen; und finden wir wo eine neue Kraft, wir wissen sie keck zu bezwingen. Durch Zahlen ist der Ton besiegt des Liedes, das aus der Kehl uns fliegt.

3. Wir schauen dem wechselnden Spiele zu, wie Teilchen sich fliehen und binden, und wie zwei Atome befreit im Nu zum Moleküle sich finden. Nur wenn sich zum Herzen das Herz gesellt, besteht es im Kampf mit der schnöden Welt.

4. Der alte feiste Erdenball gewährt uns besondres Vergnügen; er läßt zum zierlichen Krystall die tote Masse sich fügen. Hielt auf Achsen und Winkel die Menschheit so, ei sagt mir, wo blieb Bruder Studio?

5. In der Zelle das Protoplasma treibt, läßt Farben erwachen zum Lichte; doch nichts von den Blättern, den Blüten bleibt, es ist die bekannte Geschichte: daß alles im wirbelnden Tanze sich dreht, und das Neue ewig aus Altem ersteht.

6. Wir sehn in der Erde lebendiger Zier erhabene Einheit walten; aus dem niedern sich bilden das hohe Tier, das Ei sich zum Leben entfalten. Doch steigt Natur auch himmelwärts, ihr Meisterwerk bleibt das Menschenherz!

7. Und löst auch das Messer das Rätsel nicht des geheimnisvollen Lebens, wir streben durch die Nacht zum Licht, und wir streben nicht vergebens. Ein jeder Tropfen Wahrheit klar erhebt das Herz uns wunderbar.

8. Drum vorwärts, ihr Brüder, und haltet stand, laßt uns im Kampfe nicht wanken, an der Natur getreuer Hand erobern das Reich der Gedanken: denn inmitten des Lebens voll junger Kraft steht hoch und hehr unsre Wissenschaft!

1. Des Jah=res letz=te Stun=de er=tönt mit ernstem Schlag: trinkt, Brüder, in die Run=de und wünscht ihm Segen nach! Zu je=nen grau=en Jah=ren ent=fliegt es, wel=che wa=ren; es brach=te Freud und Kum=mer viel und führt’ uns nä=her an das Ziel. Ja, Freund und Kum=mer bracht es viel und führt’ uns nä=her an das Ziel.