Versos German Ludwig Thilo An Mignon

German poem

An Mignon

by (1775–1854)

Listen in the reader

Im Herbst, in heitrer Abendstille, Da trugen sie zur Gruft hinab Die theuren Reste deiner Hülle Und senkten sie ins dumpfe Grab. Und deine Mitgespielen sangen Im Mädchen und im Jünglings-Chor; Dann kehrten sie mit nassen Wangen Still wieder in das Leben vor. Du selbst erwachest bald vom Schlummer, Dann öfnet sich der frische Blick, Und der verschmähten Liebe Kummer Versinkt ins öde Grab zurück. Du rettest froh die heil’gen Gluthen Die dein verkanntes Herz durchwallt, Aus diesen kalten Lebensfluthen In die verklärte Lichtgestalt. Auch meinen Leib hat bald der Kummer, Wie einst den deinigen zernagt, Ich schlafe fest den Todesschlummer, Bis mir das beßre Leben tagt. Dann find’ ich dort an deinem Herzen Des wärmsten Mitgefühles Glück, In Wehmuth lösen meine Schmerzen In Thränen sich der Sehnsucht Blick.