German poem
Ringsum zerfallene Reste
by Marie Eugenie Delle Grazie (1864–1931)
Ringsum zerfallende Reste, Zerbröckelnd und morsch Gestein, Und drüber hangende Äste, Und fluthender Sonnenschein....
In Diocletian’s Thermen Ein prächtiges Gotteshaus, Am Corso Hasten und Lärmen, Der Weltstadt erregt Gebraus!
Und melancholisches Schweigen Am Ufer des Tiberstrom’s – Gespenstisch wachsen und steigen Aus ihm die Geschicke Rom’s:
Gigantisch winkt, aber traurig, Das Grab der Vergangenheit, Von seiner Zinne droht schaurig Der Engel im Schuppenkleid.
Und dort – Sankt Peter – der prächtig Das leuchtende Haupt erhebt – Die Gegenwart, die noch mächtig Nach Schönheit und Täuschung strebt;
Dieweil die Zukunft schon düster In Lumpen die Stadt durchirrt – O Grauen, wenn ihr Geflüster Zum Schrei des Frohlockens wird!
Noch einmal, Rom, wirst du fallen, Wie einst das Kreuz dich gefällt – Die Wahrheit ruft ihr: „Weh’ Allen!“ Dann über die ganze Welt....