German poem
Prolog
by Marie Eugenie Delle Grazie (1864–1931)
Du steinern Buch, darin in mächt’gen Zügen Das hohe Lied der Weltgeschichte steht, Mit ihren Kämpfen, ihren schönsten Lügen Und ihrer Wahrheit herber Majestät; Du Marmorchronik, die noch im Zerfallen Der Macht und Schönheit stolze Sprache führt, Du herrlichste Ruine unter allen, Die je des Todes Flügelschlag berührt – O Roma, Ew’ge du, so lange leben, Erscheinen, Ringen und Versinken heißt – Wirst du dem kecken Sängermuth vergeben, Wenn er am Flore deiner Trauer reißt? Und dennoch! Wehen nicht die grünsten Ranken Gerad von deinen Mauern ernste Stadt? Die Schwermuth deiner traurigsten Gedanken, Umschmeicheln sie nicht prangend Blüth’ und Blatt? Clematis wallt in Prachtguirlanden nieder, Wo goldig einst des Cäsars Thron erglänzt, Um öde Tempel duftet süß der Flieder Und selbst das Colosseum ward bekränzt – O Rom, du steinern Buch voll Weltgedanken Und Weltleid – stolze Marmorchronik du – Vignetten gleich nur soll mein Lied umranken Die Schicksalshieroglyphen deiner Ruh’!