German poem
Das Herz wird zur Flöte
by Max Dauthendey (1867–1918)
Goldgelbe Schlüsselblumen und rosa Waldwicken Kommen ins Zimmer mit ländlichen Blicken. Veilchen und samtne Osterblumen mit silbrigem Schimmer Bringen die Luft vom Berg, wo Gräser nicken, Und alle rufen: »Frühling bleibt es jetzt immer.« Hörst keine Uhr und keinen Holzwurm mehr ticken, Alle Tage unsterblichen Atem dir schicken. Das Herz wird zur Flöte; drauf spielt jede Stund' Deiner Liebsten wollüstiger Mund.