German poem
Und jemand geigt im Armenkleid
by Max Dauthendey (1867–1918)
Dein Haar hält mich schwerer als Ketten gefangen; Wenn nur ein Haar winkt, Klingt meine Kette bis ans Ende der Welt. Alle Rosen sind süß wie deine Nähe, Aber die Rosen werden zu Schmerzen, wenn du mir fern bist:
Durch alle Fenster kommt es leer und bitter wie ein Meer herein, Die Türen stehn wie Eisen schwer und lassen keine Freude ein. Mein Aug' geht um und sucht sich wund und tötet langsam Stund' um Stund', Und jemand geigt im Armenkleid und geigt auf meinem Herz sein Leid.
More by Max Dauthendey
- Und immer geiler der Holunder im Dunkelgrünen blüht
- Und immer wiederholt es sich, das Grauen
- Und Jahr um Jahr flog wie ein schwarzer Rab' über den Fluß
- Und jede Pore, die einst für dich brannte
- Und mein Herz singt in seinem Käfig
- Und Montags bin ich aufgewacht
- Und Nächte werden aus allen Tagen
- Und noch verliebter ward die Luft