German poem
2. Zeisigs Liebeswort
by Moritz Gottlieb Saphir (1795–1858)
Die Weide steht am Teich, In ihrem Zweigenreich Ein Zeisig wohnt im Dunkeln; Er schaut in Liebesgluth, Tief unten in der Fluth Goldfischlein lieblich funkeln.
Der Zeisig sang und rief: „Goldfischlein unten tief, Tief unten in den Wogen, Ich fühl’ mich also bald, Ich fühl’ mich mit Gewalt Zu dir hinab gezogen.
„O komm’ an’s Land heraus, Verlaß dein feuchtes Haus; Komm’ aus dem nassen Raume, Wie warm ist hier die Luft, Wie würzig ist der Duft, Wie traulich ist’s im Baume.
„Hier ist Gesang und Schall, Und süßer Wiederhall, Und Blätternest für Zweie, Am Tage Sonnenblick, Und Abends Liebesglück, Daß sich das Herz erfreue!“