Versos German Otokar Březina Ich bin wie ein Baum in Blüte

German poem

Ich bin wie ein Baum in Blüte

by (1868–1929)

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Ich bin wie ein Baum in Blüte, tönend von Bienen, Insekten: Lachen und Ruh; Blut: Aufgang der Sonne, Tag badet verjüngt im feurigen Schein; in den Korridoren des Lichts habe ich Düfte gebreitet für meiner Liebhaber Schuh' und in den Schoß der Frauen warf ich das Geheimnis der Nächte hinein.

Doch eifersüchtig, wenn ich nachts, matt von der Lenze Umarmung, im Schlummer denk', will ich nicht, daß du meine ätherischen Schwestern begehrst, die dich locken zum Tanz: in Jahrtausenden häuft' ich Schätze, ein Königsgeschenk, und jenen, die nichts zu fordern verstehen, geb' ich es ganz.

Für sie ist die Grausamkeit meiner Liebe, Ermattens Grabesnacht, meiner Blicke Tiefe, so seltsam wie Sternenbilder entfacht, Kelch meiner Sekunden, wo der Ewigkeit Licht wie Blut sich ergießt, und der Küsse Taumel böse und süß.

Bin nicht wie die Schwestern: ewige Nacht breitet sich rot hinter meinen Träumen aus, mit der Hochzeitsfackel ob der Liebenden Haupt anzünd' ich das Haus: Mit feuriger Sichel schnitt ich die Blüten, gesät von mir, mit Flammen verjag' ich, den ich lockte, der Vögel Zug; doch die Seelen, harrend seit Jahrhunderten, kommen aus geheimnisvoller Nacht heran, in tötlicher Stille auf rauschender Bahn, ätherischer Falter funkelnder Flug, die Fackeln umkreisend, entzündet von mir um der Erde feurigen Bug.

Sklavin des Ewigen, Fürstin des Wahns, ich kenne der Masse tieferen Klang, erster Sonne Pracht, Wolke des Tages, der sinkt; ein Tränenstrom netzt meine herrlichen Wangen, entfließend der Wimper, die in Wollust sank, in meinem Weinen spiegelt sich das Kreisen der Sterne, Musik der Nacht in ihm sich aufschwingt: denn Fluch der geheimen Schuld und die Zeit schluchzt in meinem Lachen bang und in meinem, vom Lachen des Lichtes tränenden Weinen Hoffnung der Wiederkehr klingt.