German poem
Die Wolken lasten auf der Wintererde
by Otto Erich Hartleben (1864–1905)
Es dämmert, und die Flocken wirbeln mir ums Haupt. – Hinschreit ich auf bekannten Strassen, die ich nach langen Tagen wiederfinde.
Soll ich die alten Wege wieder wandeln, vorübergehn an deinem stummen Hause?
Ein scheuer Dieb, im Dunkel will ich schleichen, verstohlen nur hinauf zum Fenster spähn.
– In Maien hat es einst getagt! Es hat der Flieder seine Locken geschüttelt in des Windes Hauch – da hat mein Herz sich aufgewagt!
Die Sonne hat an einem frühen Morgen mit starker Hand die Wolken jäh zerrissen. Aus feuchten Zweigen haben tausend Stimmen den dumpfen Schlaf gebannt und alle Sorgen!
Die Wolken lasten auf der Wintererde.