Versos German Otto Ernst Schmidt Deutsche Weihnacht

German poem

Deutsche Weihnacht

by (1862–1926)

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Weihnachten, Tag der Hoffnung, bist du da? Du stiller Tag, da früh die Sonne sinkt? Allein durch Nebel lacht sie rötlich schon Erlösung uns aus langer Wintersnot.

Herbei, ihr Glaubenden, ihr Wartenden, Ihr Helden, die Verrat zu Boden warf, Ihr Nackten, die verruchte Gier entblößt, Herbei! Ist auch noch fern der Ernte Fest, So sollt ihr doch das Fest der Hoffnung feiern. Vergeßt auf wenige Minuten nur Den Gram, die Sorge; holt ein Zweiglein euch Vom immergrünen Tannenbaum herbei Und richtet's auf im roten Abendlicht, Und labt an seinem Grün den müden Blick: Denn wißt, daß in der Tanne unsere Altvordern schon das Bild des Frühlings sahn! Die schwanken Zweige raunten leise Kunde, Daß nicht vergangen sei der Erde Grün Für immerdar; nein, leuchten werde bald Der Anger wieder in verjüngter Pracht, Der Wald ein neues Lied des Lebens rauschen Und reich die Ähre schwanken auf dem Halm.

Wenn nun die heil'ge Nacht gekommen war, Da sich das Glück der dunklen Mächte wendet Und seine goldnen Pfeile prüft das Licht, Da, unbesiegt von Sturm- und Wolkenschauern, Die Sonne neu beginnt den frohen Lauf—, Dann ließen sie auf einer starken Achse Ein riesengroßes Rad sich drehn, nachdem sie Zuvor des Rades Kranz in Brand gesteckt. Da griff der Sturmwind in die Flammenspeichen Und trieb es um mit Prasseln und mit Sausen In rasend wildem Schwung, daß weit umher Durchs Grau'n der Nacht ein goldner Regen fiel. So war das Flammenrad ein Bild der Sonne, Der unbezwungnen, großen Lebensmutter, Die rüstiges Vertrauen nie betrog, Und so begingen sie mit Hoffnungsjubel Das „Auferstehungsfest der Unbesiegten“.—

Herbei, ihr Knechte denn und Bettler all, Ihr Wartenden, ihr Horchenden, herbei, Vereint euch brüderlich am kalten Herd Und feiert eurer stillen Hoffnung Fest. Laßt einmal nur die Last des Kummers sinken, Liebkost den frischen, duft'gen Tannenzweig Und glaubt mit brünstigem, bewegtem Herzen, Daß einst die Flur der Heimat neu ergrünt. Erhebt die Herzen durch ein starkes Wort, Und sprecht ihr dann vom großen Kampf, der kommt: Gewiß, daß eurem innern Blick erscheint Das Rad der Zeit, von flammenden Gedanken, Vom Sturme der Begeisterung beschwingt, Die's treibt und treibt, daß goldne Funken sprühn. Dann sollt ihr an die goldne Sonne denken, Die ihr ersehnt und die gewiß einmal In heil'ger Morgenröte kommen wird ... Und sollt im leisen Lächeln dieser Stunde, Im stumm-beredten Druck der Hand begehn Das Auferstehungsfest der Unbesiegten.