Versos German Otto Ernst Schmidt Die Künstler

German poem

Die Künstler

by (1862–1926)

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Denen, die der Wüste Sand durchschreiten, Denen, die das wilde Meer befahren, Wenn Verzagen ihren Geist umdunkelt, Hilft die wundertät'ge Fee Morgana.

Aus den Wellen, aus dem Sand erhebt sie Palmengrüne Küsten und Oasen, Hohe Säulentempel, die der Osten Überspinnt mit wunderbarem Lichte.—

Unsrer Wüstenwandrung winkt ein Eden, Unsrer Meerfahrt solch ein selig Eiland. Jene schauen's, die das Ruder lenken, Die voran dem Wüstenzuge reiten.

Schauen's nicht in seiner wahren Schönheit; Zitternd nur in ferner Luft begegnet Ihrem Blick das Trugbild der Morgana— Und ihr Auge glüht in Seherflammen.

Und den wild verzweifelnden Genossen, Die, am Boden schmachtend, sich verfluchen, Künden sie mit schauerndem Erstaunen Alle Wonnen der beglückten Ferne.

Seltsam strömt's von den beredten Lippen, Und in nie gehörten, heiligen Lauten Singen in prophetischer Begeistrung Sie der Menschheit kommende Vollendung.

Wer die Seher sind? Wie oft, o Seele, Rafftest du dich auf zu neuer Wandrung, Wenn in seligen Tönen und Gestalten Ihre Hoffnung sprach vom Paradiese!—

Denen, die des Lebens Meer befahren, Die des Daseins Wüstensand durchschreiten, Wenn Verzagen ihren Geist umdunkelt, Hilft die wundertät'ge Fee Morgana.