German poem
Gott und Gedanke
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
In fernes Licht hinein Schreit' ich schon lange, lange; Um graue Trümmer hängt's An jenem Felsenhange.
Um Sagentore blühn Die abendroten Ranken; Durch Fensterhöhlen schau'n Verschollene Gedanken.
Und meine Seele schwebt Durch Tor- und Fensterbogen Ins Land des warmen Lichts, Allmächtig hingezogen.
Ich weiß es nun gewiß: Es schwebt ein selig Leben Schon über dieser Welt Und ist uns schon gegeben.
Ich weiß seit diesem Tag: Es klingt Gesang und Reigen Aus einer reinen Welt In jedes tiefe Schweigen.