German poem
Heiliger Morgen
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Von den Tannen träufelt Märchenduft; Leise Weihnachtsglocken sind erklungen— Blinkend fährt mein Hammer durch die Luft; Denn ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.
Graue Wolken kämpfen fernen Kampf; Blau darüber strahlt ein harter Himmel. Durch die Nüstern stößt den weißen Dampf Vor der Tür des Nachbars breiter Schimmel.
Kommt Herr Doktor Schlapprian daher, Zigaretten- und Absinthvertilger! Voll erhabnen Hohnes lächelt er, Hirn- und lendenlahmer Abwärtspilger.
Spöttisch grüßend schlendert er dahin Und—verachtet mich, den blöden Gimpel, Der gefügig spannt den dumpfen Sinn In die Enge, ein „Familiensimpel“.—
Rote Sonne überm Schneegefild: Und das weite Feld ein Sterngewimmel! Und ins Auge spann ich euer Bild, Wundererde—unerforschter Himmel.
Und den frischen, kalten, klaren Tag Saug' ich ein mit gierig starken Lungen— Pfeifend trifft mein Hammer Schlag um Schlag, Und ein Spielzeug zimmr' ich meinem Jungen.