German poem
Im Nachtzug
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Es donnerte, polterte, rollte der Zug Durch fröstelnde Winterfrühe; Noch ruhte in Städten und Weilern die Welt Von Lust- und Leidensmühe.
Am Fenster stand ich und starrte hinaus, Da war nur Nacht zu schauen, Und tiefer und tiefer trank sich mein Blick Hinein in Dunkel und Grauen.
Da sah ich fern aus niederm Gemach Ein zitternd Licht erblühen: Die Arbeit stand taumelnd vom Lager auf Zu neuen, alten Mühen.
Und hier ein Licht—und dort ein Licht, Die grüßten von Ferne zu Ferne; In Schloß und Hütte gingen auf Der Mühsal bleiche Sterne.
Auf daß die Lust im Sonnenglanz Den muntren Tanz erneue, Entfachen lange vor Tag ihr Licht Die Pflicht, die Sorge, die Treue.
Ist noch die Welt ein dumpfer Schlaf, Ihr Traum ein irres Lachen, Es grüßt sich schweigend im Morgengraun Die stille Gemeinde der Wachen.