German poem
Liebesglaube
by Otto Ernst Schmidt (1862–1926)
Ach, mit gepreßtem Herzen War ich aufs Lager gesunken; Ich hatte heimlich-verschwiegen Des Argwohns Gift getrunken.
Ich wähnte das Glück verloren; In bangen Zweifelstunden Hatt' ich in seinen Augen Die Liebe nicht gefunden.
Doch heut in früher Stunde Weckte mich leises Ahnen; Es pochte in meinem Herzen Ein starkes Frühlingsmahnen.
Da fand ich die Morgensonne In meiner Kammer zu Gaste; Es sang mit lautem Schalle Ein Vogel vom Lindenaste.
Mich überfloß berauschend Der goldne Strahlenregen; Aus meinen Kissen lacht' ich Dem Morgenglanz entgegen:
Er kann der frommen Treue, Der Liebe nicht vergessen! Er kann das Herz nicht töten, Das er im Glück besessen——!
Und ich entschlief. Entschweben Sah ich den bleichen Kummer. Mit Blumenträumen bedeckte Mich leise der Morgenschlummer.—