Versos German Otto Ernst Schmidt Schleswig-Holstein

German poem

Schleswig-Holstein

by (1862–1926)

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Aus meiner Kindheit Träumen blüht ein Land Der sanften Hügel, drinnen Helden schlafen, Der goldnen Felder, die ins Blau des Himmels Hinüberflimmern wie ein früher Traum, Der stillen Ströme, die, dem Meer verwandt, Mit ernstem Schweigen breite Schiffe tragen, Ein Land der weiten, saftgetränkten Triften, Wo schwere Rinder durch den Nebel brüllen, Ein Land, wo See'n und Wälder sich umarmen In selig-stummem Anschau'n ihrer Prächte, Ein Land, wo zwischen Dorn und wilden Rosen Die Vögel sich mit Singen bau'n ihr Glück.

Aus meiner Kindheit Tagen glänzt ein Land Der sanften Frau'n, die ohne Falschheit lächeln, Die bei der Arbeit singen, weil ihr Herz Des Himmels hellem Auge offen liegt, Der Frauen, die sich leicht im Tanze schmiegen Und starke, wangenrote Kinder nähren, Die Gudrun gleich in graue Fernen harren, Im Blick der Treue unbewegte Glut, Bis der Ersehnte kehrt aus Kampf und Not.

Aus meiner Kindheit Tagen strahlt ein Land Der ernsten Männer hinter Pflug und Amboß. Sie reden wenig und sie lachen selten Und singen kaum; allein sie träumen viel. Sie blicken zweifelnd auf, wenn von Verrat sie Und Falschheit hören, und sie fassen's kaum. Denn ohne Arglist suchen sie das Glück In eigner Kraft und nicht in fremdem Weh. Ihr Gang ist aufrecht; ihre Brust ist breit, Sanft strahlt das Auge unter freier Stirn. Nicht laut ist ihre Kraft, nicht rauh und wild; Doch wer sie je verkannte, hat's gebüßt. Von Schwert und Axt und Morgenstern erklingt Des Lands Geschichte und von Männern, die Wie Mauern standen. Nimmer reichte weiter Des Manns Geduld als seines Herzens Stolz.

Ihr kennt dies Land, ihr schaut ihm in die Augen, Wenn ihr ins Antlitz eurer Kinder blickt: In seine jungen, hoffnungshellen Augen. Dies Land, dies flutumbrauste, sei ein Leuchtturm, Dem jeder deutsche Schiffer froh vertraut.— Halt aus in Nacht und Not, mein Land, mein Licht!