Versos German Otto Ernst Schmidt Schranken des Glücks

German poem

Schranken des Glücks

by (1862–1926)

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Durch die Seelen der guten Menschen Bebt ein Seufzer geheimen Wehes, Gellt ein Schrei verborgener Schmerzen Selbst in der Stunde des höchsten Glückes.—

Wohl umfangen auch sie in berauschter, Stammelnder Wonne das Glück der Erde, Und sie vergessen, darein versinkend, Alles Vergangenen düst're Beschwerde. Sie auch pressen in nächtlicher Kammer Das Geliebte ans schauernde Herz, Sie auch taumeln im Tanz des Lebens Von der Verzweiflung zum trunkenen Scherz. Ja, als lebte mit ihnen im Glücke Alles, was sie lebendig umkreist, Senden im Glück sie dankende Seufzer Zu dem „allgütigen Weltengeist“.

Aber sie tragen die stille Mahnung An das ewige Leid in der Brust; Werden doch immer sich des gemeinen Erdenloses die Guten bewußt! Sie mögen allein Nicht glücklich sein. Den eigenen Glücksstern seh'n sie erblinden In einer Nacht von fremdem Leid; In gleicher Sekunde jauchzt ihr Herz— Und zittert in weinender Einsamkeit.—

Durch die Seelen der guten Menschen Bebt ein Seufzer geheimen Wehes, Gellt ein Schrei verborgener Schmerzen Selbst in der Stunde des höchsten Glückes.—